Interview mit Leonie Lastella,

Juni 22, 2015 2 Von Lisaa

Liebe Leonie Lastella,


vielen lieben Dank, dass du dir die Zeit nimmst meine Fragen
zu beantworten.  Durch Zufall habe ich
deine Kurzgeschichte Tropfen auf der Haut bei Bookshouse entdeckt und gleich
begeistert gelesen. J


1. Zu Beginn stell
dich doch bitte kurz selbst vor. 🙂

Ich bin Leonie Lastella 34 Jahre alt aus einem kleinen Dorf
nordwestlich von Hamburg. Dort lebe ich mit meinen drei Söhnen und jeder Menge
Viehzeugs, wie Pferd, Katze und so weiter. Die Eckdaten kann man ja in der Vita
sehen, deswegen versuche ich es hier mal mit Dingen, die man nicht überall
nachlesen kann.  Ich bin ein typisches
Nordlicht und liebe Kälte, Sturm und die Weite der Plattlandnatur. Ich bin ein lustiger,
offener Mensch, mit dem man (das mussten meine Autorenkolleginnen schon
leidvoll erfahren) die Nächte durchfeiern oder durchquatschen kann. Ich ziehe
Unglück und Fettnäpfchen an, bin ein absoluter Filmjunkie und ein noch größerer
Bücherjunkie. Ich liebe meine Familie über alles, bin aber gern auch mal ein
paar Tage von ihnen getrennt. Weil vermissen das schönste Wiedersehen bietet. Neben
der Familie, den Tieren und dem Schreiben, liebe ich es feiern zu gehen, zu
reisen, in der Natur zu wandern oder mich einfach nur mit Freunden zu treffen
und über Gott und die Welt zu quatschen.

2. Wie kam es dazu,
dass du zu schreiben anfingst?  Hattest
du eine bestimmte Person die dich ermutigt hat dein Vorhaben in die Tat
umzusetzen?

Mit dem Schreiben habe ich nach der Geburt meines dritten
Kindes angefangen. Damals hatte ich einfach eine Geschichte im Kopf, die ich
aufschreiben wollte. Ich war auch gleich ziemlich begeistert davon. Immerhin
war es ja heidenschwer den Text zu produzieren, was mich zu dem fehlgeleiteten
Schluss verleitete, dass es auch gut sein müsste. Tatsache war, dass es
handwerklich einfach schlecht war. Dann habe ich einige Jahre nur für mich und
in einem Autorenforum geschrieben und das Handwerk erlernt und da wurde auch
mein erster Verleger auf mich aufmerksam.
Dass es mir nicht reicht das nur hobbymässig zu machen, dass  ich wirklich professionell schreiben und das
Ganze zum Beruf machen will, habe ich dann erst mit der Zeit entdeckt. Ich
hatte Blut geleckt. Leider ist es ja nicht so, dass die literarische Welt nur
darauf wartet, dass man mit seinem Buch um die Ecke kommt. Es braucht Talent
und Handwerk, aber noch viel mehr Durchhaltevermögen, das an Sturhheit grenzt,
Glück und den richtigen Stoff zur richtigen Zeit, um Erfolg zu haben. Hier hat
mich insbesondere immer meine Schwester unterstützt, die Kolleginnen von Delia
( Verein zur Förderung deutscher Liebesromanautoren) und meine Freunde.


3. Welches war dein
erstes Werk, welches veröffentlicht wurde? Und wie kam die Idee dazu?


Das erste Buch, das ein Verleger
von mir rausgebracht hat war Stille Seele´, ein Antikriegsdrama, angesiedelt im
heutigen Afghanistankrieg. Ich wollte im Grunde nur einen Liebesroman schreiben
und habe nach einer Backroundstory  gesucht,
die den Romeo- und Juliaeffekt hat. Sie wollen, können aber nicht zusammen
sein.
Da eignet sich insbesondere ein Kriegseinsatz. Denn heutzutage wird die Welt
durch das Internet, billig Airlines und so weiter immer kleiner, Distanzen, die
früher einen Trennungsgrund darstellten immer unwichtiger. Der einzige
wirkliche Grund in der heutigen Zeit, der dich unwiderruflich von deinem
Liebsten trennt ist der Krieg. Eigentlich sollte dieser Backround  aber keine große Rolle spielen, sondern nur
Mittel zum Zweck sein.
Während der Recherchen hat mich die Art und Weise, wie das amerikanische
Militär anwirbt und was für Mechanismen da zusammenspielen ( Das Militär, das
durch Subventionierungsgelder seinen Fuss in fast jeder Bildungseinrichtung des
Landes hat und dort aus der Schule die Rekruten anwirbt, hohe Anwerbegelder,
schlechte Bildung und Perspektivlosigkeit der Angeworbenen und Bindungszeiten,
die Jugendliche kaum überblicken können) in Gang gesetzt werden, die später
kaum widerrufbar sind, wirklich fasziniert ( in negativer Weise) und es hat
mich sehr nachdenklich gemacht. Denn in Deutschland haben wir jetzt ebenfalls
eine Freiwilligen Armee, die beginnt ähnliche Anwerbung zu betreiben wie drüben
in Amerika.
Das ist also ein brandaktuelles Thema, das ich unbedingt schreiben wollte. Ich
bin heute noch sehr froh, dass mein damaliger Verleger das Buch rausgebracht
hat und damit sowohl dem Thema eine Plattform gegeben hat, als auch mir. Für
mich war das der erste Schritt als Autorin, dem hoffentlich noch viele folgen
werden.

4. Tropfen auf der
Haut, ist eine Kurzgeschichte, die 2014 den Delia Kurzgeschichtenwettbewerb
gewann. Wie kamst du zu der Idee dieser Story und mit ihr an einem Wettbewerb
teilzunehmen?


Ich bin Mitglied bei Delia und wusste deswegen, dass bei den
Liebsromantagen 2014, die in Büsum stattfinden ein Kurzgeschichtenwettbewerb
ausgelobt wird, der das Thema Liebe und Gezeiten zum Thema haben sollte. Es
sollte mit der Nordsee zu tun haben und natürlich mit jeder Menge Liebe.
Zu dem Zeitpunkt war ich gerade mit dem Aufbau der Story beschäftigt, die ich
jetzt gerade erfolgreich an den S. Fischer Verlag verkauft habe. Mir fehlte
aber noch die Chemie zwischen den beiden Protagonisten.
Ich brauche immer etwas Zeit, um mich ganz in rosa Puderzucker zu hüllen, damit
es dann beim Schreiben von Liebesromanen auch wirklich läuft. Deswegen habe
ich  mir gedacht, dass so eine
Kurzgeschichte die perfekte Fingerübung wäre, um wieder in die Welt der Liebe
abzutauchen. Und es hat sich gelohnt. Ich war total begeistert, dass die Story
die Jury überzeugen konnte und habe mich wahnsinnig über den Preis gefreut.
Hier geht es zur Rezension von Tropfen auf der Haut 🙂

5. Gibt es einen bestimmten
Ort, wo du dich zum Schreiben zurückziehst?


Tatsächlich ziehe ich mich nie
zurück. Ich habe nicht einmal ein Arbeitszimmer oder einen Schreibtisch. In der
Regel sitze ich auf dem Sofa oder im Garten und schreibe mit dem Laptop auf den
Knien, während ein Kind über seine doofe Mathelehrerin meckert und das andere
sich weinend über den gemeinen Bruder beklagt. Ich muss aber sagen, dass es
zwar manchmal ärgerlich ist, weil es Szenen gibt, die sich nicht so gut mit
Störungen vertagen, aber viel öfter ist es erfrischend, inspirierend und ich
möchte es nicht anders haben. Gerade weil ich arbeiten und gleichzeitig für
meine Kinder da sein kann, liebe ich diesen Beruf.  Besagte Szenen, für die ich Ruhe brauche,
weil sie besonders emotional oder auch sexuell oder brutal sind, schreibe ich
dann nachts, wenn alle schlafen.  Man
könnte also sagen, dass die Tageszeit, zu der ich schreibe mein Rückzugsort
ist.

6. Unter meinen
Lesern gibt es bestimmt auch den ein oder anderen, der selbst schon mal
zumindest angefangen hat etwas zu schreiben und irgendwann an eine Stelle kam
wo er nicht mehr weiter wusste. Hattest du jemals einen solchen Moment? Wenn
ja, wie gingst du damit um bzw. hast du für unsere Leser einen Tipp, wie man
wieder die Schreibfeder schwingen lassen kann?


Ich glaube jeder Autor kommt an diesen Punkt. Ich habe
mittlerweile aber verstanden, dass die Blockaden eigentlich nie daher rühren,
dass man wirklich gerade nicht schreiben kann oder nicht mehr weiter weiß,
sondern es liegt eigentlich immer daran, dass mit der Geschichte etwas nicht
stimmt.
Ich schreibe ja nachdem ich ein Expose mit einem kompletten Inhalt an den
Verlag oder die Agentur geschickt habe und die das abgenickt haben, dass ich
das schreiben soll. Das heißt die grobe Geschichte steht. Das verhindert aber
nicht, dass die Logik der Story an den Feinheiten hängen kann. Ich blockiere
grundsätzlich, wenn der Plot hakt. Mittlerweile weiß ich das und setze mich
dann gezielt daran, die Story nochmal explizit anzusehen und herauszufinden,
was genau nicht stimmig ist.
Danach kann es dann weitergehen und die Blockade ist weg.
Das würde ich auch jedem Schreiberling raten. Wenn es beim Schreiben hakt ist
es eigentlich nie die Technik, sondern immer der Plot, also schaut Euch Eure
Geschichte an und eliminiert Plotfehler. 
Dann läuft es wieder.

7. Ist das
Schreiben zurzeit dein Hauptberuf, wenn nein was machst du sonst noch?


Ich glaube fast jeder, den ich kenne  und der in einem Beruf arbeitet, wo er ein
Risiko eingehen musste ohne genau zu wissen, was die Zukunft bringen und ob
sich Erfolg einstellen wird, hat diesen Schritt nach einem einschneidenden
Erlebnis gewagt. Das können Krankheiten sein, Kinder, Scheidung usw.
Bei mir war es die Trennung von meinem Mann vor drei Jahren.  Da hat es Klick gemacht und ich war mir
sicher, dass ich es versuchen möchte, ganz vom Schreiben zu leben.
Da ich aber Kinder und gewisse Verantwortungen habe, habe ich zwei Jahre
hardcore in verschiedenen Jobs geackert, um mir ein finanzielles Polster
zuzulegen. Nebenbei habe ich auch geschrieben, mich aber nicht unbedingt weiterentwickelt.
Im Oktober 2014 habe ich dann den Absprung geschafft und mir ein Jahr Zeit
gegönnt, in dem ich sehen wollte, ob ich es schaffen kann.  Als dann relativ schnell im November der
Agenturvertrag und im Februar die Zusage von Fischer kam, war ich
überglücklich. Wenn die Zahlen so bleiben, könnte ich vom Schreiben leben, aber
ob es mir gelingt, meine Manuskripte dauerhaft gut zu verkaufen, bleibt ein
Risiko.
Deswegen gehe ich noch nebenbei Kellnern. Es bringt mir riesigen Spaß, die
Rentner mit Kuchen zu beliefern und die Kollegen sind einfach toll. Diese
Stelle möchte ich nicht missen, auch weil das Schreiben ein sehr
introvertierter Beruf ist.  Ich denke,
dass ich es selbst dann weitermache werde, wenn meine Erfolgssträhne anhält.

8. Welches Buch ist
dein Favorit unter deinen eigenen Werken? Und warum gerade dieses Buch?


Das ist eine schwere Frage. Das ist ein bisschen wie zu
fragen, welches Kind magst du am liebsten. Hmm, also handwerklich kann ich
sagen, immer das Neueste. Man lernt jeden Tag dazu und entwickelt sich weiter,
weswegen ich rein handwerklich immer die neuesten Werke am besten finde. Von
der Geschichte hat jedes Buch etwas, weswegen ich es empfehlen würde.  Deswegen wollte ich es ja schreiben und habe
das auch getan.
In Licht und Dunkelheit zum Beispiel wird zum Teil aus der Sicht der
vestorbenen Melanie geschrieben. Dieses Buch bedeutet mir sehr viel, weil ich
mir wünschen würde, dass meine Kinder den Tod so sehen können, wie ich ihn dort
beschreibe, wenn ich einmal gehen sollte. 
Ich mag die Emotionen und die Hoffnung in dem Buch.
Die Thriller mag ich sehr, weil sie einfach sehr finster sind, wie die Titel
schon sagen. Vielleicht mag ich 2×3 Meter Finsternis noch ein nanostück lieber
als den Vorgänger Wer Finsternis sät.
Stille Seele hat eine tolle Message und war mir wegen der Brisanz ein
Bedürfnis, aber ich liebe auch die Lovestory darin.
Das Buch, das ich an den Fischer Verlag verkauft habe, beinhaltet sehr
versteckt für mich Emotionen aus meinem Leben und viele Eindrücke meiner Jugend
, die ich in großen Abschnitten in Italien verbracht habe, weswegen es mir sehr
am Herzen liegt.
Die beiden derzeit in Arbeit befindlichen Projekte sind ebenfalls
Herzensprojekte. Der Liebesroman macht absoluten Spaß und fordert mich total
heraus,  weil der Protagonist nicht nur
der Frau gegenüber störrisch wie ein Maulesel ist, sondern auch der Autorin
gegenüber. 😉
Der Thriller, der gerade durch meine Finger in den Laptop fließt, ist das
düsterste, was ich bis jetzt geschrieben habe und macht schon beim Schreiben
Nervenflattern.

9. Magst du uns
vielleicht verraten, was wir von dir in Zukunft noch erwarten können?


Ich glaube ich habe vorgegriffen. Ganz allgemein kann ich
aber sagen, dass ich weiterhin gern im All age Liebesroman zu Hause sein werde
und wenn die Agentur die Thriller an den Mann 
bringt, würde ich mich freuen, wenn ich auch in diesem Genre weiter
veröffentlichen kann. Es tut gut, wenn man nach ganz viel
Rosa-Glitzer-Puderzucker-Liebeswelt in die finsteren Abgründe menschlicher Seelen
gucken kann und umgekehrt.
Wenn ihr noch mehr über Leonie Lastella und ihre Bücher wissen wollt dann schaut doch mal auf ihrer Homepage vorbei.

Und nun zum Abschluss noch ein paar kurze Vorlieben:

Lieblingsessen? 
Italiensches
Essen: Antipasti, frische Mediterrane Küche.
E-Book oder Print? 
Print, ich
liebe es ein Buch anzufassen, zu atmen, zu lesen, zu leben.
Lieblingsautor? 
Schwer- Joy Fielding, John Katzenbach. Stephen
King, Justin Cronin, Saul Black, Julie Leuze, Anna Todd
Aktuell am Lesen? 
Saul Black-
Killing Lessons, Gillian Flynn-Gone Girl
Strand oder Berge? 
Berge
Lieblingsland?
Italien, Amerika
Tee oder Kaffee? 
Tee
Sommer oder Winter? 
Winter

Hast du für meine
Leser zum Abschluss unseres Interviews noch ein absolutes Lieblingszitat, was
du ihnen mit auf den Weg geben möchtest?


Ziele auf den Mond, dann landest du im schlechtesten Fall in
den Sternen.

Vielen lieben Dank, dass ich dieses Interview mit dir, liebe
Leonie Lastella, führen durfte und du dir die Zeit dafür genommen hast.

Viel Erfolg weiterhin beim Schreiben und ich hoffe, wir
werden noch viele weitere tolle Geschichten von dir zu lesen bekommen.

Ich bedanke mich, für die wirklich tollen und nicht abgenutzten Fragen. Es war
mir ein Vergnügen.